7 Dinge, die ich nicht vermisse.

DCIM101GOPROSchon bevor meiner Weltreise und dann noch mehr während meiner Weltreise, wusste ich, dass ich nicht mehr in Deutschland leben will. Mein damaliger Plan zog mich nach Norwegen (Ich bin mir sicher, dass ich dort irgendwann einmal für länger leben werde). Also auch vor ein paar Jahren hatte ich schon Gründe, die mich nicht mehr in Deutschland leben lassen wollten.

Nachdem ich ausgewandert bin, habe ich in Südafrika neue Lebensweisen und Menschen kennengelernt, ich habe mich verändert und neue Inspiration gefunden. Seitdem gibt es noch mehr Gründe, warum ich nicht mehr nach Deutschland zurück möchte. Versteht mich nicht falsch, ich liebe Deutschland. Es gibt so einiges, dass ich manchmal vermisse. 10 Dinge, die ich vermisse.

Die Liste  der Dinge, die ich nicht vermisse, ist etwas kürzer, aber die Gründe wiegen so viel für mich, dass ich nicht mehr zurück möchte. Diese Liste ist zudem SEHR subjektiv und spiegelt MEIN Leben in Deutschland wieder. Hiermit möchte ich niemanden auf den Schlips treten.

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Hier, ganz ehrlich, meine Sieben Dinge, die ich nicht vermisse:

  1. Der Druck. Deutschland hat es geschafft, so viel Druck auf die Gesellschaft auszuüben, dass diese das Konzept übernommen hat und es in sich weiterführt. Druck lastet überall und auf jedem. Das Kindergartenkind kann noch nicht richtig ausmalen? Was? Warum kannst du das nicht? Warum haben sie das ihrem Kind noch nicht beigebracht? Oh guck mal, der hat nur einen Hauptschulabschluss! Wie, du hast heute nicht die Nachrichten gelesen? Wie du weißt das nicht? Natürlich musst du nach deinem Abitur studieren. Wie du willst nur noch halbtags arbeiten? Wie du willst mehr Zeit in dich selbst investieren? Du musst eine gute Schwester sein, eine gute Mutter, eine gute Nachbarin, eine gute Schülerin, eine gute Studentin, eine gute Angestellte, eine gute Arbeitgeberin, eine gute Freundin, eine gute Ehefrau, eine gute Sportlerin, du musst intelligent sein, du musst an Politik interessiert sein, du musst pünktlich sein. Du MUSST! Wie du kannst das nicht? Wie du bist das nicht? Dieser Druck schafft es, dass wir uns manchmal klein fühlen. Jeder, der etwas hat oder ist, der muss es auch nach draußen tragen. Es geht garnicht mehr darum, was wir eigentlich können oder wollen oder wo unsere Stärken liegen, es geht um angelerntes Wissen, es geht um Noten auf Papier, um Auszeichnungen, um Abschlüsse, um Zahlen. Es geht um Zahlen. Nicht um Menschen. Es geht um kleine Roboter in einem System, dass so viel Druck auf sie ausübt, dass sie ihre Stecker und Kabel nicht ziehen wollen. Sie funktionieren gut. Unter all diesem Druck. In dieser fiktiven sicheren Welt.
  2. Die fehlende Herzlichkeit. Die Wärme. Der Sonnenschein. Ich glaube persönlich, dass das Wetter unser Wesen beeinflusst. Wäre da mehr Sonnenschein und mehr Sommer, dann wären wir Deutschen vielleicht auch wärmer von innen heraus. Umarmungen und Küsschen und warme Worte und Danke sagen und Wertschätzung. Gönnen. Anderen Menschen von Herzen etwas gönnen. Weniger Neid. Weniger Skepsis. Ich glaube, da können wir Deutschen von anderen Kulturen und Ländern noch sehr viel lernen. Denkt nur einmal an euren Urlaub. Wenn ihr einen anderen Deutschen trefft. Was denkt ihr dann? Eure erste Reaktion? Meistens ist das ein “Oh nein. Deutsche.” Warum ist das so? Warum ertragen wir unsere eigene Nationaität um uns herum nicht?
  3. Die vielen Krankheiten. Wann kommt es in der Schule, in der Uni, im Büro oder Zuhause schon einmal vor, dass alle gesund sind? Wie oft in der Woche unterhaltet ihr euch mit Menschen über Krankheit und Schnupfen und Wehwehchen? Da ist immer irgendwas. Irgendwer rennt gerade immer zum Doktor. Irgendwer kämpft gerade mit Migräne oder laufender Nase oder ist gestern so doof gefallen, dass ihm jetzt alles weh tut. Wir bekommen bezahlte Krankentage in Deutschland. Eine gute Krankenversicherung und ärztliche Versorgung. Und irgendwie wird das auch ausgenutzt. Irgendwie ist man gerne weinerlich. Hier in Südafrika ist krank sein luxus. Dewegen ist man es nicht. Und darüber reden mag man auch nicht. Alte Leute lächeln hier lieber und fragen dich über dein Leben anstatt von ihrer letzten Operation zu reden. Manchmal erschrecke ich mich darüber, wie gesund hier alle sind. Und wenn man krank wird, dann tut man alles dafür schnell wieder gesund zu sein. Irgendwie sind Menschen hier härter im nehmen. Weinen weniger und halten mehr aus. Irgendwie ist Deutschland so weich. DCIM101GOPRO
  4. Die Enge. Raus und in die Natur gehen und tageweit entfernt sein von Zivilisation. Schwierig in Deutschland. Keine Autos hören oder auf einem Grundstück leben mit ganz viel Weitsicht und Aussicht. Schwierig. Pure Natur erleben und wirklich alleine sein. Schwierig.
  5. Dieses Wort “leider”. Ich hasse dieses Wort. Seitdem mir aufgefallen ist, wie sehr ich es hasse, höre ich es noch mehr, wenn ich mit Deutschen rede. Natürlich gibt es das Wort auch in Englisch. Es wird nur so viel seltener genutzt. Leider geht das nicht. Leider hat er dies und das gesagt. Leider. Und Punkt. Kein Suchen nach einer Lösung. Leider. Es ist nun einmal so. Leider. Was heißt das eigentlich? Es tut mir leid? Oder leider habe ich keine Zeit nach einer Lösung zu suchen? Oder leider will ich nicht helfen, weil ich dafür außerhalb der Box denken müsste? Leider sind so viele Menschen so eingegrenzt. Leider zeigt auch Enttäuschung. Irgendwie sind Menschen gerne enttäuscht und welzen Verantwortung ab. “Leider habe ich bis heute ihre Email nicht bekommen…” Leider zeigt gerne mit dem Finger auf andere. Nie auf sich selbst.
  6. Das Unverständnis. Natürlich gibt es Menschen, auf die dieses “nicht außerhalb der Box denken” und die “fehlende Herzlichkeit” nicht zutreffen und die sich nicht diesem Druck hingeben. Wer anders ist und anders denkt und sein Leben in Deutschland anders leben möchte, der hat es allerdings nicht einfach. Man trifft überall auf Unverständnis. Muss sich hunderten Fragen stellen. Aus dem funktionierenden System auszubrechen weckt so viele Emotionen in anderen Menschen, dass es regelrecht Mut erfordert anders zu sein. Viele denken ich bin mutig. Eigentlich lebe ich nur mein Leben. Eigentlich mache ich nur das, was in anderen Ländern und Kulturen selbstverständlich sein kann. Meine Geschichte ist in Südafrika so normal wie sie in Deutschland besonders ist.
  7. Ich könnte das nicht. Das geht so nicht. Das kannst du nicht. Das darf man nicht. Aussagen einer deutschen Gesellschaft. Einem Land in dem alles möglich sein kann. So viel möglich ist. Aber viel zu wenige Menschen wirklich an sich glauben. Eine Gesellschaft, in der oft zu schnell aufgegeben wird. In der man sich für die Politik und Geschichte der ganzen Welt interessiert, aber hin und wieder vergisst mal für sich selbst einzustehen.

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Wow, das hört sich jetzt nach Sieben sehr vernichtenden Punkten an. Natürlich ist jeder Punkt sehr allgemein gefasst. Natürlich gibt es IMMER Ausnahmen. Ausnahmen bestätigen aber auch eine Regel. Und vielleicht fühlt sich ja der ein oder andere von euch auch verstanden.

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Mir ist zudem klar, dass diese Liste auch einen Teil meines Lebens wiederspiegelt in dem ich vielleicht von den falschen Menschen umgeben war. Ich die falschen Menschen angezogen habe. Ich viel jünger war und mich selbst finden musste und mich in der Gesellschaft nicht wiederfinden konnte. Aber auch heute, wenn ich zurück reise nach Deutschland, dann finde ich diese Menschen, dieses Lebensgefühl wieder. Eine Enge, von der ich einfach nicht mehr umgeben sein möchte.

Man sagt immer “Umgebe dich mit den Menschen, die dir gut tun.” Für mich hieß es auch “Lebe in dem Land, das dir gut tut.”

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PS.: Die Fotos sind losgelöst vom Text, wie ihr vielleicht gemerkt habt. Aber ich dachte, sie machen dieses so negative Thema etwas schöner.

 

 

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